Yvonne Linke
Wie viele andere Hundetrainer:innen bin auch ich über meinen eigenen “Problemhund” zum Beruf der Hundetrainerin gekommen.
Mein ganzes Leben hat sich schon immer um Tiere und besonders um Hunde gedreht.
1997 hat sich mein großer Wunsch nach einem eigenen Hund mit der Adoption unserer Familienhündin Bonny aus dem Tierheim erfüllt.
Sie war all die Jahre trotz ihrer Vergangenheit immer ein liebevoller Begleiter, stets bemüht, immer alles richtig zu machen. Alles in Allem ein total problemloser Hund.
2000 durfte ich nach langem Kampf endlich meine Ausbildung im Tierheim beginnen, als erster Jahrgang von Tierpflegern speziell mit der Fachrichtung Heim- und Pensionstierpflege. Ein Traum wurde wahr.
Dort lernte ich 2002 meine Hündin Amy kennen. Dieser Hund hatte wirklich schlimmes in ihrer Vergangenheit erlebt. Ich hatte mich sofort in sie verliebt und wusste: Das ist MEIN Hund. Trotz massiver Widerstände adoptierte ich sie schließlich.
Amys Probleme waren vielfältig. Sie hatte vor nahezu allem und jedem Angst, reagierte aggressiv und erschien unberechenbar.
Obwohl mir bewusst war, dass dieser Hund nicht einfach war, hatte ich mir unser Zusammenleben nicht so schwierig vorgestellt. Nachdem ich mir eingestehen musste, dass ich das alleine nicht schaffe, habe ich begonnen, mir “professionelle” Hilfe zu suchen. Ich geriet von einem unfähigen Trainer zum nächsten. Was alle gemeinsam hatten, war ihr Trainingsansatz, der ausschließlich aus Gewalt und Unterdrückung bestand.
Doch das Verhalten meiner Hündin wurde dadurch nur noch schlimmer.
2004 besuchte ich schließlich ein Seminar bei Clarissa von Reinhardt und fühlte mich zum ersten Mal verstanden. Eine gewaltfreie Hundeschule. Das war, was ich wollte.
Zurück zu Hause suchte ich mir eine Trainerin, die nach diesem Prinzip arbeitet und ich fand Claudia Fraefel, bei der ich lange Zeit mit Amy im Training war.
Zusätzlich besuchte ich Seminare von Animal Learn und las viele Bücher, die mir weiterhalfen.
Amys Verhalten besserte sich zusehends und damit auch unsere Beziehung zueinander.
Ich habe gelernt, meinen Hund besser zu verstehen und auch wenn sie bis zum Ende viele Ängste hatte, so habe ich doch gelernt damit zu leben und meinen Hund so zu managen und zu führen, dass sie ein glückliches Leben führen konnte und keine Gefahr für andere mehr darstellte.
Nachdem mich das Animal Learn Prinzip sehr überzeugte und das bis heute tut, beschloss ich schließlich mein Wissen zu erweitern und dort meine Ausbildung zur Hundetrainerin zu machen.
Zunächst nicht mit dem Plan eine eigene Hundeschule zu eröffnen, ich wollte mit meiner neuen Qualifikation hauptsächlich Tierheimhunde trainieren, um ihnen eine Vermittlung leichter zu machen.
Inzwischen besteht meine Hundeschule seit 2008 und ich hoffe, dass ich auch heute noch, 18 Jahre später, ganz viele Menschen erreichen kann, um ihnen einen anderen Umgang mit Hunden aufzuzeigen.
Etwas, das heute wieder wichtiger ist als je zuvor, denn aversives Hundetraining ist aktuell leider wieder auf dem Vormarsch.
Im Lauf der Jahre habe ich gemeinsam mit meinem Partner sehr vielen Tierschutzhunden ein neues Zuhause geschenkt. Hunde, die verhaltensauffällig waren oder sind, die Ängste haben, die gelernt haben, dem Menschen zu misstrauen.
Hunde, die sich nicht anfassen ließen, die mit Aggressionsverhalten oder Flucht reagierten, Hunde, die Problemverhalten mit Artgenossen zeigten und die hier dennoch problemlos lebten und leben.
Von ihnen lernte und lerne ich am Meisten, kein Seminar und keine Weiterbildung kann mir so viel Wissen und Verständnis über Hunde vermitteln, wie das Zusammenleben mit einer größeren Hundegruppe.
Während wir in der Vergangenheit unser Heim mit Staffordshire Terriern, Herdenschutzhunden und Hundezwergen teilten, leben aktuell ausrangierte Jagdgebrauchshunde, Galgos und Podencos bei uns.
Ihr Schicksal hat mich sehr bewegt, und so kam es, dass ich nun sehr regelmäßig auch meinen Urlaub in Spanien verbringe, um mich vor Ort zu engagieren.
In unserer Familie leben immer zwischen 6 und 9 eigene Hunde, wir adoptieren gezielt alte, kranke oder verhaltensauffällige Hunde.
Meine Kernkompetenz ist deshalb die Integration von Hunden in bestehende Hundegruppen. Ich bin Expertin für Mehrhundehaltung, für das Zusammenleben mit Angsthunden, mit Hundesenioren und für Tierschutzhunde.
In meiner Hundeschule liegt zudem ein Schwerpunkt in der Arbeit mit leinenaggressiven Hunden und ich liebe sinnvolle Beschäftigung und Enrichment aller Art.
Da ich Probleme im Zusammenleben mit Hunden nicht nur rein symptomatisch betrachte, habe ich zusätzlich Ausbildungen zum Thema Hundeernährung und Naturkunde absolviert, um auch hier bestmöglich unterstützen zu können.
Ständige Fort und Weiterbildungen sind für mich ein Muss um immer auf dem Neuesten Stand zu bleiben.

