Januar 4, 2018

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Beratung vor der Anschaffung 

Während der Feiertage erreichte mich eine Email die mit den Worten begann, man bräuchte Hilfe denn der Hund entwickle sich nicht so wie gedacht. Bei weiterem Lesen wurde klar der Hund entwickelt sich eigentlich ganz genau rassetypisch, die nicht “gewünschten” Eigenschaften sind (leider) bei dieser Rasse Standard und wurden Jahrhunderte lang genau so züchterisch selektiert. Und genau hier beginnt die Wurzel allen Übels. Ich biete seit vielen Jahren eine kostenlose Beratung vor der Anschaffung eines neuen Hundes. Und wie bei ganz vielen anderen Kollegen auch wird dies leider kaum angenommen. Denn man hat ja schließlich schon ein sehr genaues Bild des Hundes den man kaufen möchte vor Augen. Da möchte man auch gar nicht mehr hören dass Rasse XY eventuell gar nicht in das Leben passt ? Eine Aufgabe die auch viele Züchter und Tierschutzvereine leider nicht ernst nehmen. Eine teils unlösbare Aufgabe für uns Trainer denn wir können ja auch keine rassetypischen Verhaltensweisen abtrainieren. Das sind ja genetisch fixierte Veranlagungen gegen die ich hier antrainieren soll. Viele Dinge kann man in Bahnen lenken aber es gibt halt Grenzen.

Eine Freundin begleitete mich mal einen Tag in der Hundeschule. Am Ende des Tages sagte sie ihr Resume sei, dass der Windhund nicht jagen soll, der Retriever soll sich nicht dreckig machen und nicht ins Wasser gehen und der rumänische Strassenhund soll direkt angepasst und “brav” sein. Und ja, das war mir bis dahin gar nicht so aufgefallen aber viele Menschen besuchen Trainingsstunden um genau an den Rassetypsichen Verhaltensweisen zu arbeiten. Der Jagdhund soll nicht jagen- ja,es ist klar generell möglich am Jagdtrieb zu arbeiten aber trotz harter Arbeit und viel viel Training gibt es halt keine Garantie dass das auch klappt. Ich führe selbst Windhunde die großteils bereits zur Jagd eingesetzt wurden. Ich freue mich, dass ich welche dabei habe die ich ableinen kann, hätte mir aber keinen Windhund angeschafft wenn ich nicht auch mit lebenslanger Schleppleine leben könnte. Mein kleiner Pinscher ist laut, sehr laut, sie bellt : wenn es klingelt, wenn jemand am Zaun vorbei geht, wenn sie ein Geräusch hört, wenn sie denkt ein Geräusch zu hören… eigentlich bellt sie ständig. Jaa, sie ist halt ein Pinscher. Anstatt das jetzt zu bestrafen nehme ich ihr Bellen/Warnen ernst und lobe sie dass sie ihren Job so toll macht (und mindere so das Gekläffe) Ich finde es nicht nur schwierig sondern auch unfair Hunde für ihr rassetypisches Verhalten zu bestrafen und ich frage mich oft warum sich Welpenkäufer für eine bestimmte Rasse entscheiden wenn sie eigentlich mit den rassetypsichen Veranlagungen gar nicht zurecht kommen (wollen)? Zugegebenermaßen wäre ich auch kein Fan eines ständig nassen, schmutzigen Hundes,deshalb lebe ich aber auch nicht mit einem Retriever zusammen ? Viele Menschen würden auch nicht (wie ich) lebenslang mit zig langen Leinen Gassi gehen wollen. Müssen sie auch nicht, es gibt ja auch Hunde mit weit weniger Jagdtrieb ! Vor kurzem ging bei Fb ein Video rum in dem eine Dame sagte :” ich habe eine Körperspannung wie eine Gurke, da hole ich mir doch keinen Hund für die Löwenjagd “. Das ist sehr sehr richtig und super gesagt ! Es erfordert allerdings auch jede Menge Selbstreflektion und Ehrlichkeit mit sich selbst. Es ist außerdem auffällig wie viele Menschen ihre Hunde körperlich nicht halten können. Die umgerissen werden und nicht in der Lage sind ihren Hund zu bremsen wenn dieser mal “los legt “. Auch da frage ich mich, müssen wir immer grössere,kräftigere Hunde haben und muss eine Mensch der selbst nur 40 kg wiegt eine 70kg Dogge sein Eigen nennen? Oft reicht ja bereits ein 30kg Hund wenn der zugehörige Mensch nicht fit genug ist. Klar ist das erklärte Ziel den Hund körperlich nicht halten zu müssen, aber jeder Hund ist auch mal jung, unerzogen und ungestüm (oder der Reiz ist groß genug dass der Hund nach vorn geht) Und mal ehrlich- einen 70kg Hund hält kaum mehr irgendjemand. Was nicht heißt dass man solche Hunde nicht führen kann. Das erfordert aber Management , Aufmerksamkeit und mentale Stärke Und bei vielen Menschen frage mich oft warum es nicht eine Nummer kleiner hätte sein können? Es gibt ja zum Glück Hund in jeder Größe. Und es gibt Grenzen der Trainierbarkeit. Da macht es dann einfach auch nochmal einen Unterschied ob ich einen 60kg Herdenschutzhund führe oder einen 60kg Berner-Sennenhund. Gerade habe ich unglaublich viele “charakterstarkte” Hunde im Training, Hunde die eigenständig denken und handeln, Hunde die wenig auf die Zusammenarbeit mit dem Menschen gezüchtet wurden… und ich bin immer wieder verwundert was ihre Halter für Anforderungen an sie stellen,welche ganz klaren (teils komplett unrealistischen ) Trainingsziele sie haben. Ich werde aus einem Akita keinen Pudel machen. Es wäre vieles so viel einfacher wenn den Menschen bewusst wäre was sie da an ihrer Leine führen und sich vorher überlegen ob sie damit zurecht kommen ! In diesem Sinne- ich biete auch im kommenden Jahr wieder kostenlose Beratung vor der Anschaffung an 😉

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